Triglav Nationalpark in Slowenien

Nie genug Zeit für das unbekannte Slowenien

von

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Klein wie Hessen und doch so vielfältig wie ganz Europa

Tanja Leopold fasst ihre Besuche zusammen


Slowenien war für mich lange nur eine Reiseetappe auf dem Weg nach Kroatien – bis ich entdeckt habe, wie vielseitig, entspannt und herzlich dieses kleine grüne Juwel ist. Neben Soča-Tal, Triglav Nationalpark und den Salinenstädtchen Piran und Portorož an der kurzen Adriaküste gibt es so viel zu tun, dass ich bei jedem Besuch das Gefühl habe, ich müsste viel zu früh wieder abreisen.

Vor über 20 Jahren fahre ich das erste Mal durch Slowenien – auf dem Weg nach Kroatien. So, wie viele das machen. Doch die herbstlich bunt gefärbten Wälder faszinieren mich bei der Durchreise so sehr, dass ich mir damals vornehme, zurückzukommen. Um länger zu bleiben. Seither war ich mehrmals dort, und habe immer noch nicht genug.

Vielfalt zwischen Alpen, Adria und Weinbergen

Slowenien ist klein. Flächenmäßig so groß wie Hessen, rund zwei Millionen Menschen leben hier. Und doch passt in dieses Land eine erstaunliche Vielfalt: 47 Kilometer Adriaküste mit Orten wie Piran und Portoroz, ein Karstgebiet mit Tropfsteinhöhlen, Hochgebirge im Triglav-Nationalpark, Weinregionen, Thermalbäder und stille Dörfer. Alles liegt dicht beieinander. Wer zwei Stunden im Auto sitzt, ist vom Meer im Gebirge oder vom Weinberg in einer Altstadt.

Blick über den Bohinj See
Boot auf dem Bleder See

Ljubljana und Bled – zwei Klassiker, die verzaubern

Mein erster längerer Aufenthalt führt mich nach Bled und Ljubljana. Zwei Namen, die auf vielen Wunschlisten stehen – und zurecht. In Ljubljana überrascht mich nicht die Größe, sondern die Ruhe. Mit knapp 300.000 Einwohnern ist es eine Hauptstadt im Miniaturformat. Barocke Fassaden, Straßencafés am Fluss, eine Burg mit Aussicht über die Stadt – man braucht nicht lange, um sich zurechtzufinden. Und genau das macht den Reiz aus.

Bled ist der Inbegriff von Postkartenidylle. Der See, die kleine Insel mit Kirche, die Berge im Hintergrund. Wir wandern die sechs Kilometer rund um den See, nehmen ein Ruderboot hinüber zur Insel und steigen später auf einen der umliegenden Berge, um das Ganze aus der Höhe zu sehen. Alles wirkt vertraut, aber vor Ort ist es schlichtweg besser, weil sich ständig neue Perspektiven auftun.

Das Soča-Tal – Natur, Abenteuer und ehrliche Begegnungen

Richtig gepackt hat mich das Soca-Tal. Der Fluss leuchtet in einem Blaugrün, das fast unnatürlich wirkt. Wir halten unterwegs in einem Dorf, abseits der üblichen Routen. Ein kleines Restaurant, keine Touristen. Die Karte ausschließlich auf Slowenisch. Wir bestellen einfach die Tagesmenüs – ohne zu wissen, was kommt. Bis heute weiß ich nicht, was auf dem Teller lag. Aber es war eines der besten Mittagessen meiner Reisen. Solche Momente bleiben hängen, weil sie zeigen, wie nahbar und unkompliziert das Land ist.

Das Tal selbst ist ein Spielplatz für alle, die draußen unterwegs sein wollen: Wanderungen in Seitentälern wie dem Nadiza, Baden am Pont Napoleon, die Tolminklamm. Wer mag, steigt tiefer ein – Rafting, Mountainbike, Klettern. Für mich reicht schon eine Wanderung entlang des Flusses, um zu merken, wie viel Raum hier für Aktivurlaub steckt.

Naopleon Brücke im Soca Tal
wandern in Slowenien

Wein, Küche, Lebensart

Der Triglav-Nationalpark ist ein weiteres Kapitel für sich. Mit Almen, Seen wie dem Bohinj, Abschnitten des Alpe-Adria-Trails. Kaum ein Gebiet in Mitteleuropa vereint so kompakt alpine Landschaft und touristische Infrastruktur. Man ist schnell mittendrin, ohne sich in der Masse zu verlieren.

Und dann der Genuss: Slowenien hat hervorragende Weingüter. Manche traditionell, andere modern – probieren lohnt sich fast überall. Dazu eine Küche, die mediterrane und alpine Einflüsse verbindet. Ob im Restaurant in Ljubljana oder im Dorfwirtshaus: es schmeckt, und es ist bodenständig.

Was für mich Slowenien ausmacht, sind diese Gegensätze: klein, aber voller Möglichkeiten. Man kann an einem Tag im Gebirge wandern, am nächsten durch eine Küstenstadt schlendern, und am dritten mit einem Glas Wein zwischen Reben sitzen. Alles funktioniert in einer Gelassenheit, die ansteckend wirkt.

Für mich ist Slowenien längst kein Transitland mehr. Es ist ein Ziel, das immer wieder Neues bietet, ohne dass man weit fahren muss. Wer einmal Zeit investiert, merkt schnell: Dieses kleine Land hat Platz für große Erlebnisse.

Ihre Tanja Leopold

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