Landschaftliche Vielfalt zwischen Küste, Wald und Hochlagen
Wasserfälle stürzen direkt auf die Straßen, Kühe tauchen im Nebel auf, nach jedem Tunnel liegt ein neues Panorama vor uns. Madeira überrascht mich ständig – mal geheimnisvoll im Dunst, mal offen mit Blick auf das Meer. Zwischen Lorbeerwald, steilen Klippen und bunten Blüten wirkt die Insel wie ein Garten, der seine Regeln selbst schreibt. Nicht ordentlich angelegt, sondern wild, wechselhaft und voller Energie. Ein Garten mitten im Atlantik.

Im Lorbeerwald drängen sich die Bäume eng aneinander. Nur wenig Licht fällt durch die Kronen, Moos wächst an den Ästen, und die Luft fühlt sich kühl und feucht an. Ich ziehe den Reißverschluss meiner Windjacke hoch unters Kinn. Wir laufen ein Stück hinein, hören Wasser tropfen und sehen Nebel zwischen den Stämmen. In der Ferne grasen Kühe, ihr Umriss verschwimmt im Dunst. Sie sehen fast bläulich aus. Zwischen den moosbewachsenen Stämmen wirkt es, als könnte gleich eine Szene aus Jurassic Park beginnen.
Wenige Minuten später endet der Wald abrupt, und wir stehen an einer Steilküste. Unter uns tobt der Atlantik, über uns ziehen Wolken, und die Sonne bricht durch. Auf jeder Fahrt erleben wir diese Wechsel. An einer Levada folgen wir dem schmalen Pfad, das Wasser rauscht neben uns, am Rand blühen knallorange Strelitzien. Im Frühling müssen die Kanäle noch voller laufen, nach den regenreichen Wintermonaten.

stetige Szenenwechsel
Madeira bleibt nie gleich. Kaum tauchen wir aus einem Tunnel auf, wechselt die Szenerie – eben noch dichtes Grün, jetzt offene Küste oder ein Dorf, das sich an den Hang schmiegt. Dann wieder stehen Kühe am Straßenrand. Die Sonne brennt vom jetzt blauen, wolkenlosen Himmel, und sie recken ihre Hälse nach überhängenden Sträuchern, zupfen Blätter heraus. Wir müssen lachen, weil die Szene fast surreal wirkt, wenn die Tiere so gelassen auf dem Asphalt stehen und so tun, als seien sie auf einer Weide.
Die Straßen selbst sind oft eng, ziehen sich kurvig den Hang hinauf und fordern volle Aufmerksamkeit. Doch genau das macht das Fahren spannend: Jeder Hügel eröffnet eine neue Perspektive, jede Kurve eine andere Landschaft. Hinter der nächsten Biegung liegt plötzlich der Ozean weit unter uns, dann wieder verschwinden wir im Nebel.



Natürliche Badebecken und Lavafelsen bei Porto Moniz
Wenn wir Porto Moniz erreichen, wirkt das Meer noch wilder. Schwarze Lavafelsen stehen wie Skulpturen in den Wellen, dazwischen liegen natürliche Becken, in denen sich das Wasser sammelt. Wir steigen die Stufen hinunter, das Meer spritzt über die Kanten, und im klaren Wasser spiegeln sich die Felsen. Beim Baden schwanken wir leicht, weil die Wellen durch die Ritzen drücken und das Becken in Bewegung halten. Mal plätschert nur sanftes Wasser hinein, mal schwappt eine kräftige Welle über die schwarze Mauer. Es fühlt sich gleichzeitig geschützt und abenteuerlich an – schwimmen im Atlantik, aber mitten in einem erfrischenden Lavapool.


Alltag, Verkehr und regionale Küche
Was uns noch auffällt: Die Menschen auf Madeira wirken entspannt, egal in welcher Situation. Selbst auf engen Straßen, wo wir vorsichtig durch Kurven manövrieren, bleibt alles ruhig. Niemand hupt, niemand drängt. Diese Gelassenheit begegnet uns auch beim Essen. Fisch und Meeresfrüchte kommen frisch auf den Teller, ohne viel Drumherum. Oft liegt eine gebratene Banane neben dem schwarzen Degenfisch – eine Kombination, die uns erst skurril vorkommt, dann aber erstaunlich gut passt. So selbstverständlich wie sie hier serviert wird, wirkt sie nicht exotisch, sondern einfach normal.

Madeira ist keine Blumeninsel im Postkartenstil, sondern ein wilder Garten voller Kontraste. Wer hier nicht hinfährt, verpasst eine der lebendigsten Landschaften Europas – kraftvoll wie eine Filmszene und überraschend wie ein Sprung auf einen anderen Kontinent.
Ihre Cara Hiese





