zwischen Fjorden, Fjellregionen und historischen Verkehrswegen
Schon nach den ersten Kilometern ist klar: Nordnorwegen im Winter ist ein einziges Spiel der Kontraste. Ich fahre entlang tief eingeschnittener Fjorde, deren steile Felswände wie mit Puderzucker bestäubt sind. Unten am Wasser liegen kleine Ortschaften, bunt und still, fast schlafend in der Wintersonne. Alles wirkt entschleunigt, reduziert auf das Wesentliche.
Wenige Kilometer später – und unzählige Serpentinen weiter oben – ändert sich das Bild schlagartig: Ich stehe plötzlich in den weiten Fjellregionen, wo sich Schnee und Himmel bis zum Horizont berühren. Diese scheinbar endlose Weite brennt sich mir tief ins Herz. Bei einer Schneeschuhwanderung merke ich, wie still es hier ist, wie befreiend. Auch während der Fahrten mit der Bergenbahn wird mir immer wieder bewusst, wie klein der Mensch in dieser Landschaft ist – und wie groß das Gefühl von Freiheit.



Fjorde zwischen Spiegelglatt und geheimnisvoll
Die Fjorde zeigen sich jeden Tag anders. Mal liegen sie glatt wie ein Spiegel da und reflektieren Häuser, Berge und Sonnenlicht. Dann wieder ziehen Nebel und tiefhängende Wolken durch die Täler und verleihen allem etwas Mystisches. Immer wieder habe ich dabei Griegs „Morgenstimmung“ im Ohr – besonders an grauen Tagen. Selbst dann wirken die Fjorde nicht trist, sondern geheimnisvoll und voller Poesie.
Stille statt Trubel
Was mich besonders berührt, ist die Einsamkeit und Stille. Hier kann ich genießen – fernab der Massen. Flåm am Abend ist dafür das perfekte Beispiel: Die Straßen sind leer, Ruhe kehrt ein. Kaum vorstellbar, dass dieser Ort im Sommer oft von Kreuzfahrtschiffen überrollt wird. Jetzt gehört er ganz sich selbst – und ein bisschen auch mir.
Leben im Einklang mit der Natur
Immer wieder stelle ich mir Fragen: Wie leben die Menschen hier? Heute – und früher? Wie fühlt es sich an, im Einklang mit einer so mächtigen Natur zu sein? Teilweise waren Menschen hier monatelang von der Außenwelt abgeschnitten, weil es keine Zufahrten gab. Dieser Gedanke begleitet mich während der gesamten Reise und lässt mich mit großem Respekt auf die norwegische Lebensweise blicken.




Highlights der Winterreise durch Fjordnorwegen
Mit dem Snowcoach durch den Winter
Ein absolutes Highlight ist die Fahrt mit dem historischen Bombardier‑Snowcoach von Tyin Filefjell nach Eidsbugarden. Dieses laute, abenteuerliche Gefährt ist im Winter das einzige öffentliche Verkehrsmittel auf dieser Strecke. Schon der Weg ist ein Erlebnis für sich.
Anschließend schnalle ich mir Schneeschuhe an und wandere über die sonnenbeschienene Hochebene – blauer Himmel, Schnee ohne Ende. Zum Mittagessen kehren wir in eine DNT‑Hütte ein. Die herzliche Wirtin scheint alle Sprachen dieser Welt zu sprechen. Berühmt ist die Hütte für ihre Waffeln und den legendären Hüttenburger. Zum Dessert singt sie uns ein altes norwegisches Kinderlied – ein Gänsehautmoment, den ich nicht vergesse.

Lautlos durch den Nærøy- und Aurlandsfjord
Die Schifffahrt auf dem Nærøy- und Aurlandsfjord erfolgt nahezu lautlos auf einer Elektrofähre. Ich kenne diese Strecke aus dem Sommer – doch der Winter ist magisch. Die friedliche Ruhe, das gedämpfte Licht, die langsamen Bewegungen der Landschaft: alles fühlt sich intensiver an.

Meisterwerke der Technik: Flåm- und Bergenbahn
Die Bahnfahrten mit der Flåm- und Bergenbahn sind einfach spektakulär. Besonders die Strecke von Myrdal nach Finse und weiter Richtung Geilo raubt mir den Atem. Sonnenbrille nicht vergessen – der Schnee blendet! Es ist unglaublich, dass diese technischen Meisterwerke vor über 100 Jahren unter extremen Bedingungen erbaut wurden. Allein der Bau der Flåmbahn ist zutiefst beeindruckend.

Wikinger hautnah erleben
Im Wikingermuseum in Aurland erlebe ich eine Führung, die mich tief beeindruckt. Das Dorf ist extrem authentisch dargestellt. Hier leben ganzjährig tatsächlich Menschen, die nicht einfach Kostüme tragen, sondern alte Bräuche verinnerlicht haben und sie mit großer Leidenschaft weitergeben. Geschichte wird hier lebendig. Der Blick vom Stegastein‑Aussichtspunkt ist das perfekte Finale: Tief unter mir der Fjord, um mich herum Schnee, Weite und Stille. Ein Moment zum Innehalten.

Was diese Reise abrundet
Auch kulinarisch begeistert Norwegen: Regionale Produkte spielen eine große Rolle – beim Frühstück wie beim Abendessen. Unbedingt probieren sollte man Brunost (Gjetost) mit seiner süß‑karamelligen Note, klassisch auf Brot, mit Marmelade oder auf Waffeln. Frischer Fisch, aber auch Lammgerichte, sind ein Genuss. Die Hotels sind unterschiedlich, jedes auf seine eigene Art besonders – doch eines haben sie alle gemeinsam: eine unglaubliche Gastfreundschaft. Genau sie macht diese Winterreise nach Nordnorwegen so rund, so warm und so unvergesslich.


Fjordnorwegen im Winter berührt – leise, tief und nachhaltig.
Ihre Tanja Leopold





